Wie aus einem Stamm Furnier wird
Der Stamm wird gewässert oder gedämpft, damit sich das Holz weich schneiden lässt, und dann von einem Messer in dünne Blätter zerlegt. Für Möbelfurnier liegt die Stärke üblicherweise bei etwa einem halben Millimeter. Entscheidend ist, was danach passiert: Die Blätter bleiben in genau der Reihenfolge liegen, in der sie aus dem Stamm kamen, und werden als Bündel verkauft. Zwei aufeinanderfolgende Blätter sind deshalb einander fast gleich, sie zeigen dieselbe Maserung nur um einen halben Millimeter versetzt.
Daneben gibt es Schälfurnier, das wie von einer Rolle vom rotierenden Stamm abgeschält wird und ein sehr unruhiges, breites Bild ergibt. Es steckt vor allem in Sperrholz und Multiplex. Und es gibt Sägefurnier von ein bis zwei Millimeter Stärke, das gesägt statt gemessert wird. Es ist deutlich teurer, weil ein großer Teil des Stammes als Sägemehl verloren geht, hat aber die Vorteile einer dickeren Schicht.
Fügung: das Bild entsteht am Tisch
Ein Furnierblatt ist selten breiter als 20 bis 35 Zentimeter, weil es aus einem Stamm kommt. Eine Möbelfront ist breiter. Also wird zusammengesetzt, und wie das geschieht, bestimmt das Aussehen mehr als die Holzart.
- Spiegelbild: Jedes zweite Blatt wird umgeklappt wie eine Buchseite. Die Maserung läuft an der Fuge gespiegelt weiter, das Bild wirkt symmetrisch und ruhig. Die häufigste Fügung im Möbelbau.
- Schlichtfügung: Die Blätter werden ohne Wenden nebeneinandergeschoben. Das Bild wiederholt sich statt zu spiegeln, die Fläche wirkt gleichmäßiger, aber die Fugen sind sichtbarer.
- Kreuz- und Sternfügung: Blätter werden auf Gehrung zusammengesetzt, etwa für Tischplatten oder Fronten mit gerichteter Zeichnung. Aufwendig, weil jeder Schnitt sitzen muss.
- Durchlaufendes Bild über mehrere Fronten: Die Blätter werden so aufgeteilt, dass die Maserung über Fugen hinweg weiterläuft. Das setzt voraus, dass alle Fronten aus demselben Bündel und in der richtigen Reihenfolge gefertigt werden.
Die Blätter werden auf Kante geschnitten, dann von Hand oder auf der Fügemaschine zusammengesetzt und mit einem wasserlöslichen Papierleimband oder einer Zickzacknaht fixiert. Dieses Band bleibt bis nach dem Pressen auf der Oberseite und wird anschließend weggeschliffen. Die Fugen müssen dabei absolut geschlossen sein: Was am Fügetisch einen Zehntelmillimeter klafft, ist nach dem Pressen eine dunkle Linie, die sich nicht mehr korrigieren lässt.
Pressen: Druck, Wärme, Zeit
Das gefügte Blatt kommt mit Leim auf die Trägerplatte und dann in die Presse. In einer beheizten Etagenpresse härtet der Leim bei rund hundert Grad in wenigen Minuten aus, kalt verleimt dauert derselbe Vorgang je nach Leim eine gute Stunde. Der Druck wird über die ganze Fläche gleichmäßig aufgebracht, sonst hebt das Furnier an den druckarmen Stellen ab und es entstehen Blasen, die man erst beim Schleifen bemerkt und dann nicht mehr reparieren kann.
Für gewölbte Teile arbeitet man mit der Vakuumpresse: Das Werkstück liegt in einer Folie, die Luft wird abgesaugt, und der Luftdruck von außen presst gleichmäßig auf jede Wölbung. Physikalisch hat das eine harte Grenze, denn mehr als etwa ein Bar kann der Atmosphärendruck nicht liefern. Für Furnier auf einer sauber vorbereiteten Form reicht das; für stark rückfedernde Aufbauten oder dicke Schichtverleimungen reicht es nicht, dort braucht es eine Form und eine mechanische Presse.
Der Gegenzug ist keine Option
Eine Platte, die nur auf einer Seite furniert wird, verzieht sich. Das Furnier schwindet beim Trocknen und zieht die Platte zu sich hin, meist als leichte Schüssel, die man erst nach Tagen bemerkt. Deshalb bekommt jede furnierte Platte auf der Rückseite einen Gegenzug, also ein gleich starkes Furnier, das in dieselbe Richtung zieht. Bei sichtbaren Rückseiten nehmen wir dafür dasselbe Holz, bei verdeckten ein günstigeres mit vergleichbaren Eigenschaften. Der Aufbau muss symmetrisch zur Mittelebene sein, sonst arbeitet die Platte gegen sich selbst.
Auch der Träger zählt. MDF ist die beste Grundlage, weil die Oberfläche gleichmäßig dicht ist und sich unter dem dünnen Furnier nichts abzeichnet. Bei Spanplatte können grobe Späne durchdrücken, was im Streiflicht als unruhige Struktur sichtbar wird. Tischlerplatte und Multiplex bringen ihre eigenen Vorteile mit, vor allem bei tragenden Teilen und sichtbaren Kanten.
Warum Furnier kein Kompromiss ist, und wo es Grenzen hat
Aus einem Stamm, aus dem sich vielleicht ein paar Massivholzplatten schneiden lassen, entstehen als Furnier viele hundert Quadratmeter Fläche mit nahezu identischer Zeichnung. Genau das ist der Punkt: Eine Schrankwand, über die die Maserung durchläuft, oder acht Küchenfronten, deren Bild sich Front für Front fortsetzt, lassen sich in Massivholz nicht bauen. Dazu kommt die Stabilität. Eine furnierte Plattenkonstruktion bleibt eben, während eine drei Meter breite Massivholzfront über die Jahreszeiten arbeitet und sich verzieht.
Die Grenzen liegen genauso klar. Ein halber Millimeter verzeiht wenig: Beim Schleifen ist eine Kante schnell durch, und tiefe Kratzer lassen sich nicht herausarbeiten, sondern nur durch Einsetzen eines neuen Furnierstücks beheben. Sichtbare Zinken oder profilierte Massivholzkanten sind nicht möglich, jede Kante braucht eine eigene Lösung, ob Anleimer, umgelegtes Furnier oder Massivholzkante. Und wenn ein Möbel nach fünf Jahren erweitert werden soll, ist das Bündel von damals mit ziemlicher Sicherheit verkauft. Dieselbe Holzart bekommt man wieder, dasselbe Bild nicht.
Wie wir das bei HDE machen
Wir kaufen für ein Projekt aus einem Bündel und legen die Blätter vor dem Zuschnitt auf dem Tisch aus, um das Bild festzulegen. Bei einer Schrankwand entscheidet sich dabei, wo die ruhigen und wo die lebhaften Partien sitzen, und ob die Zeichnung über die Türen durchläuft oder pro Front gespiegelt wird. Diesen Schritt machen wir vor der Fertigung sichtbar, weil er sich später nicht mehr ändern lässt, ohne das Material neu zu beschaffen.
Wenn absehbar ist, dass ein Möbel später ergänzt wird, etwa ein Ankleidezimmer, das in zwei Bauabschnitten entsteht, legen wir Furnier aus demselben Bündel zurück. Das kostet zunächst Material, spart aber die Diskussion, warum das neue Element anders aussieht. Für Einbauschränke über eine ganze Wand ist das oft der Unterschied zwischen einer Fläche, die als Ganzes wirkt, und einer Reihe einzelner Türen.
Zur Beratung gehört auch, offen zu sagen, wann Furnier die falsche Wahl ist. Eine Arbeitsfläche, auf der geschnitten wird, oder eine Kante, die täglich mit dem Staubsauger Kontakt hat, ist in Massivholz besser aufgehoben, weil man sie nachschleifen kann. Wie wir Massivholz und Platte in einem Möbel kombinieren, beschreiben wir auf der Seite zur Schreinerei.

