Wie Granit entsteht
Granit ist ein magmatisches Tiefengestein. Geschmolzenes Gestein blieb tief in der Erdkruste stecken und kühlte dort über Zehntausende von Jahren extrem langsam ab. Diese Langsamkeit erklärt alles Weitere: Die Minerale hatten Zeit, große Kristalle zu bilden. Deshalb sehen Sie einzelne Körner mit bloßem Auge – glasige Quarze, helle oder rötliche Feldspäte, dunkle Glimmerblättchen. Granit wirkt räumlich, weil das Licht in die Kristalle hineingeht.
Aus diesem Aufbau kommt die Härte. Quarz liegt auf der Mohs-Skala bei 7, Feldspat bei 6. Ein Messer aus gehärtetem Stahl erreicht etwa 5,5 – wer auf Granit schneidet, ruiniert das Messer, nicht die Platte. Sand am Schuh enthält dagegen Quarz und ist auf Augenhöhe. Das ist der einzige Grund, warum Granitböden mit der Zeit stumpf werden.
Was im Handel Granit heißt
Ein Punkt der Ehrlichkeit: Ein guter Teil der Sorten, die als Granit verkauft werden, ist geologisch keiner. Viele tiefschwarze Sorten sind Gabbro, manche schillernden blauen Steine sind Anorthosit. Diese Gesteine sind meist sehr dicht und nehmen kaum Flüssigkeit auf. Wir sagen Ihnen bei der Musterauswahl, welche Gesteinsgruppe wirklich vor Ihnen liegt – daran entscheiden sich Pflege und Empfindlichkeit, nicht am Handelsnamen.
Politur ist keine Beschichtung
Eine polierte Granitoberfläche entsteht durch Schleifen in Stufen. Von grober Diamantkörnung um 50 arbeitet man sich über 200, 400 und 800 bis 3000 vor, am Ende steht ein Polierschritt mit feinem Pulver. Was dabei glänzt, ist der Stein selbst: Die Kristalle werden so eben, dass Licht gespiegelt statt gestreut wird. Eine Politur kann deshalb nicht abblättern, nur stumpf werden – und das passiert praktisch nur durch Schleifmittel oder aggressive Chemie.
Daneben liefern wir zwei weitere Oberflächen. Geschliffen-matt wirkt zurückhaltend und zeigt Fingerabdrücke weniger, ist aber offenporiger und nimmt Flecken leichter an. Geledert – der Stein läuft unter Bürstenwalzen und bekommt eine leicht wellige, seidige Haptik – verbindet den matten Look mit einer relativ dichten Oberfläche.
Imprägnierung und Flecken
Granit ist dicht, aber nicht dicht wie Glas. Die feinen Poren zwischen den Kristallen nehmen Öl und Farbstoffe auf, wenn man ihnen Zeit lässt. Eine Imprägnierung füllt genau diese Poren. Sie ist kein Film auf dem Stein, sondern zieht ein und macht die Poren wasser- und ölabweisend. Die Oberfläche sieht danach aus wie vorher, Wasser perlt aber und ein Ölspritzer bleibt lange oben liegen, statt sofort einzuziehen.
Ob die Imprägnierung noch arbeitet, prüfen Sie selbst: Setzen Sie einen Wassertropfen auf die Platte und warten Sie zehn Minuten. Bleibt der Stein hell, ist alles in Ordnung; dunkelt er nach, ist eine Auffrischung fällig. Je nach Beanspruchung liegt das Intervall bei ein bis drei Jahren, im Bad meist länger als neben dem Herd.
Säure, Öl und helle Sorten
Gegen Säure ist Granit von Natur aus deutlich robuster als Marmor, weil Quarz und Feldspat nicht mit Zitronensäure oder Essig reagieren. Trotzdem sind helle Sorten empfindlicher, aus zwei Gründen: Viele von ihnen enthalten Nebenbestandteile, die sehr wohl reagieren, und ein Fleck ist auf fast weißem Stein schlicht sichtbar. Bei einer hellen Sorte sollten Sie die Imprägnierung ernst nehmen und Zitronensaft, Essigreiniger und Rohrreiniger sofort aufwischen.
Der häufigste Fleck ist ohnehin kein Säurefleck, sondern Öl. Olivenöl zieht in einen unimprägnierten Stein ein und hinterlässt einen dunklen Schatten. Zu retten ist das meist mit einer Kompresse aus Zellstoff und einem passenden Lösemittel, abgedeckt und über Nacht stehen gelassen: Das Mittel löst das Öl, der Zellstoff saugt es beim Trocknen zurück nach oben.
Stärke, Gewicht und Fugen
- 20 mm: der schlankere Standard. Wer optisch mehr Masse will, bekommt die Kante aufgedoppelt, also einen zweiten Streifen untergeklebt – dann wirkt sie 40 mm stark. Die Klebefuge ist bei genauem Hinsehen erkennbar.
- 30 mm: massiv durchgehend, ohne Fuge in der Kante, und deutlich unempfindlicher an Ausschnitten. Unsere Empfehlung überall dort, wo eine große Spüle oder ein breites Kochfeld eingebaut wird.
- Gewicht: Granit wiegt rund 2,7 bis 3,0 Tonnen pro Kubikmeter. Eine 30-mm-Platte wiegt damit rund 80 kg pro Quadratmeter, eine 20-mm-Platte etwa 55 kg – eine Frage der Unterkonstruktion und der Zahl der Leute beim Einbringen.
- Plattenformat: Rohplatten kommen je nach Block auf etwa 3,0 bis 3,4 Meter Länge. Alles, was länger ist, braucht eine Fuge – daran führt kein Weg vorbei.
Eine Fuge verkleben wir mit einem eingefärbten Zweikomponentenkleber, angemischt auf die Farbe des Steins, Fugenbreite ein bis zwei Millimeter. Entscheidend ist die Lage. Eine Fuge gehört über ein Korpusseitenteil, wo die Platte beidseitig aufliegt, und nicht durch einen Ausschnitt oder in die Arbeitszone vor dem Kochfeld. Wir legen sie in der Zeichnung fest und stimmen sie mit Ihnen ab, bevor gesägt wird.
Ausschnitte für Spüle und Kochfeld
An Ausschnitten bricht eine Steinplatte, wenn man sie falsch plant. Innenecken bekommen deshalb immer einen Radius, mindestens fünf, besser zehn Millimeter – eine scharfe Innenecke ist eine Kerbe und damit eine Sollbruchstelle. Ebenso wichtig sind die stehen bleibenden Stege: Zwischen Ausschnittkante und Plattenvorderkante lassen wir mindestens 50 bis 60 mm Material stehen, zwischen zwei Ausschnitten – etwa Spüle und Kochfeld – mindestens 80 bis 100 mm. Wird es enger, verstärken wir die Unterseite mit einer eingeharzten Schiene oder gehen auf 30 mm Stärke.
Bei der Spüle gibt es drei Bauarten. Beim Unterbau sitzt die Spüle unter dem Stein und die Ausschnittkante ist poliert sichtbar – die sauberste Lösung, weil man Krümel direkt hineinwischen kann. Flächenbündig liegt der Spülenrand in einer gefrästen Vertiefung auf einer Ebene mit dem Stein; das wirkt sehr ruhig, verlangt aber eine umlaufende Fuge, die gepflegt werden muss.
An den sichtbaren Plattenkanten ist die einfache Fase mit ein bis zwei Millimetern der ruhigste und robusteste Abschluss; ein Radius von etwa 3 mm fühlt sich weicher an und ist in Haushalten mit Kindern praktischer. Wichtig bei jeder Variante: Auch die Unterkante wird gebrochen, sonst platzen dort beim Anstoßen kleine Muscheln aus.
Hitze
Granit verträgt die Temperatur eines Topfes ohne Weiteres, er entsteht schließlich aus Schmelze. Der kritische Punkt ist nicht die Hitze, sondern der Temperaturunterschied auf engem Raum. Ein Topf mit 250 Grad auf einer 20 Grad kalten Platte erzeugt punktuelle Spannung. Auf freier Fläche passiert dabei fast nie etwas, neben einem Kochfeldausschnitt oder auf einem schmalen Steg kann sie sich aber mit vorhandenen Spannungen addieren. Deshalb: Untersetzer, besonders in der Nähe von Ausschnitten.
Wie wir das bei HDE machen
Wir haben eine eigene Steinmetz-Abteilung: Küchenbau und Steinbearbeitung sitzen unter einem Dach und reden miteinander, bevor etwas gesägt wird. Fugenlage, Ausschnittpositionen und Korpusaufteilung werden gemeinsam festgelegt. Läuft beides über getrennte Firmen, landet die Fuge oft genau dort, wo sie niemand haben will.
Das Aufmaß nehmen wir erst, wenn die Unterschränke montiert und ausgerichtet stehen. Wände sind nie gerade – zwei Zentimeter Abweichung über vier Meter sind normaler Rohbau. Wir messen digital und legen die Anschlusskanten so, dass die Platte an der Wand angepasst wird und die sichtbare Vorderkante gerade bleibt. Bei ausgewählten Sorten suchen Sie die konkrete Platte vorher im Lager selbst aus, denn zwei Platten derselben Sorte sind nie identisch.
Jede Platte verlässt unsere Werkstatt imprägniert, und wir zeigen Ihnen bei der Übergabe den Wassertropfentest. Zur Pflege reichen ein pH-neutraler Reiniger und ein weiches Tuch; weglassen sollten Sie Scheuermilch, Essigreiniger und Dampfreiniger. Mehr zum Zusammenspiel von Stein und Möbel finden Sie bei unseren Arbeitsplatten und in der Steinmetz-Abteilung.

