Der Kennwert: Klappenhöhe mal Gewicht
Klappenbeschläge werden nicht nach Schrankbreite bestellt, sondern über einen Kennwert. Man multipliziert die Höhe der Klappe in Millimetern mit ihrem Gewicht in Kilogramm. Eine 500 Millimeter hohe Front, die mit Griffleiste und Kante 6 Kilogramm wiegt, ergibt 3000. Mit diesem Wert geht man in das Diagramm des Herstellers und liest ab, welche Kraftklasse beziehungsweise welches Federpaket passt, zum Beispiel bei der Free-Serie von Häfele oder den vergleichbaren Systemen anderer Anbieter.
Der Grund für die Multiplikation ist simpel: Es geht um ein Drehmoment. Eine flache, schwere Klappe und eine hohe, leichte können denselben Beschlag brauchen, weil das Gewicht bei der hohen Klappe weiter vom Drehpunkt entfernt hängt. Wer nur nach Gewicht auswählt, liegt bei hohen Fronten regelmäßig daneben.
Wichtig ist, dass Sie das Gewicht der fertigen Front nehmen, nicht das der rohen Platte. Ein Griffprofil aus Aluminium, eine Glasfüllung, eine massive Anleimkante oder eine zweite Lackschicht kommen leicht auf ein bis zwei Kilogramm zusätzlich. Bei einer 700 Millimeter hohen Klappe verschiebt schon ein Kilogramm den Kennwert um 700 Punkte, und das kann eine ganze Kraftklasse ausmachen.
Was passiert, wenn der Wert nicht stimmt
Ist der Beschlag zu schwach ausgelegt, sackt die Klappe aus der halboffenen Stellung langsam nach unten. Zuerst nur ein paar Zentimeter, nach einem Jahr fällt sie durch. Ist er zu stark, springt die Klappe beim Öffnen hoch und bleibt in der unteren Stellung nicht mehr zu; sie hebt sich von selbst ein Stück an oder lässt sich nur mit deutlichem Nachdruck schließen. Beide Fehler lassen sich über die Stellschraube am Beschlag ein Stück weit korrigieren, aber eben nur innerhalb der Klasse. Liegt man eine Stufe daneben, hilft nur der Tausch des Kraftpakets.
Die Bauarten
- Hochklappe: Die Front schwenkt als Ganzes nach oben und legt sich über den Schrank. Der einfachste und günstigste Fall, gut für Klappen bis etwa 500 Millimeter Höhe. Sie braucht über dem Schrank freien Raum, weil die Front dort hin ausschwenkt.
- Faltklappe: Die Front ist waagerecht geteilt, beide Hälften klappen beim Öffnen zusammen. Damit bekommt man auch hohe Oberschränke auf, ohne dass die Front weit über den Korpus hinausragt. Der Preis: eine zusätzliche Fuge im Frontbild und ein Zwischenscharnier, das eingestellt werden will.
- Schwenkklappe: Die Front bleibt beim Öffnen parallel zur Korpusfront und fährt nach oben vor den Schrank. Die eleganteste Lösung für sehr hohe, einteilige Fronten und die einzige, die auch bei deckenbündigen Oberschränken funktioniert, weil nichts nach oben ausschwenkt. Sie ist auch die teuerste.
- Klappe nach unten: Für Sekretäre, Bartresen und Hausbars. Hier hält kein Federpaket, sondern ein Klappenhalter oder ein Stopscharnier die Front in der Waagerechten und begrenzt den Weg. Achten Sie darauf, ob der Beschlag zusätzlich Auflast tragen darf, wenn Sie sich auf die offene Klappe stützen wollen.
Bei hohen Fronten arbeiten wir grundsätzlich mit zwei Beschlägen, links und rechts. Die Kraft teilt sich, und die Klappe wird gegen Verwinden gehalten. Bei sehr breiten Klappen über etwa 1200 Millimetern reicht das manchmal nicht mehr; dann braucht die Front eine aussteifende Konstruktion, sonst hebt sich die Mitte anders als die Ränder und die Fuge zur Arbeitsplatte läuft schief.
Freies Halten in jeder Position
Das eigentliche Kunststück eines guten Klappenbeschlags ist, dass die Klappe genau dort stehen bleibt, wo Sie sie loslassen: bei 20 Grad, bei 45 Grad, bei 80 Grad. Erreicht wird das über ein Kraftpaket aus Feder oder Gasdruckdämpfer in Kombination mit einer definierten Reibung. Die Federkraft hält der Schwerkraft die Waage, und weil sich der Hebelarm über den Öffnungsweg ändert, ist die Kennlinie des Beschlags darauf abgestimmt.
Das ist mehr als Bequemlichkeit. Eine Klappe, die nur ganz offen oder ganz zu kennt, ist beim Beladen unbrauchbar, weil man sie zum Umgreifen jedes Mal loslassen muss. Und eine Klappe, die aus der Halbposition zufällt, trifft in einer Küche zuverlässig einen Kopf oder eine Hand. Zum Schließen gehört deshalb auch eine Dämpfung, die die letzten Zentimeter abbremst, meist integriert und über eine kleine Schraube in zwei Stufen einstellbar.
Ein Punkt für später: Wenn Sie nachträglich etwas an der Front ändern, ändert sich der Kennwert. Eine aufgeschraubte Griffleiste, ein eingesetzter Spiegel, eine zweite Lackierung nach zehn Jahren. Die Klappe hält dann nicht mehr frei, sondern sackt. Das ist kein Defekt, sondern eine Rechenaufgabe, die neu gelöst werden muss.
Kopffreiheit: der Punkt, der zu selten geplant wird
Eine geöffnete Klappe hängt im Raum, und zwar auf einer Höhe, in der sich Köpfe bewegen. Bei einem Oberschrank, dessen Unterkante auf 1450 Millimetern sitzt, und einer Hochklappe von 500 Millimetern Höhe steht die Frontkante im geöffneten Zustand knapp unter zwei Metern. Für die meisten Menschen reicht das. Wer 1,90 Meter groß ist und vor dem Kochfeld steht, findet die Klappe mit der Stirn.
Wir prüfen deshalb in der Planung drei Maße: die Unterkante der geöffneten Klappe, die Reichhöhe der Person, die dort täglich arbeitet, und die Position des Griffs im geöffneten Zustand. Der dritte Punkt wird am häufigsten übersehen. Bei einer hohen Schwenkklappe wandert die Griffleiste beim Öffnen weit nach oben; wer 1,60 Meter groß ist, kommt an eine Klappe, die auf 2,10 Metern endet, ohne Hocker nicht mehr heran. In dem Fall ist entweder eine Faltklappe die bessere Wahl, weil sie den Griff tiefer stehen lässt, oder ein elektrischer Antrieb, der die Klappe auf Knopfdruck wieder holt.
Über dem Schrank muss ebenfalls Platz sein. Eine Hochklappe braucht den Schwenkraum oberhalb der Korpusoberkante. Bei einer Küche, die bis unter die Decke gebaut ist oder an eine Dachschräge stößt, entfällt diese Bauart komplett. Das ist der häufigste Grund, warum wir in Altbauwohnungen in Oberhausen bei Schwenk- statt Hochklappen landen.
Wie wir das bei HDE machen
Wir wiegen die fertige Front, bevor wir den Beschlag bestellen. Das klingt umständlich, dauert aber zwei Minuten und erspart den Wechsel eines Kraftpakets nach der Montage. In der Zeichnung halten wir für jede Klappe drei Werte fest: Kennwert, Beschlagtyp und die Unterkante im geöffneten Zustand. So sieht auch der Monteur ein halbes Jahr später noch, warum an dieser Stelle keine Hochklappe geplant ist.
Im Aufbau in der Werkstatt öffnen und schließen wir jede Klappe mehrfach, prüfen das freie Halten in mindestens drei Zwischenpositionen und stellen die Dämpfung ein. Bei der Übergabe zeigen wir Ihnen die Stellschraube und erklären, in welche Richtung sie wirkt. Nach der Montage vor Ort wird das noch einmal kontrolliert, weil ein Korpus, der an eine leicht schiefe Wand gezogen wird, sich minimal verzieht und die Klappe das merkt. Mehr zu diesem Teil unserer Arbeit steht bei unserem Montageservice; wie wir Beschläge in Küchen nach Maß insgesamt planen, erklären wir dort.

