Was am Montagetag wirklich passiert
Ein Einbauschrank besteht in der Werkstatt aus geraden, rechtwinkligen Korpussen. Der Raum, in den er soll, hat schiefe Wände, einen Boden mit Gefälle und eine Decke, die selten waagerecht ist. Die Montage besteht deshalb aus zwei sehr unterschiedlichen Arbeitsschritten: erst das Aufstellen, dann das Einpassen. Das Aufstellen ist grobe Arbeit und in einem Bruchteil der Zeit erledigt. Das Einpassen entscheidet, wie das Möbel danach aussieht.
Wer bei einer Montage zusieht, wundert sich oft: Nach zwei Stunden stehen alle Korpusse, und danach passiert scheinbar nichts mehr. Tatsächlich passiert dann das Meiste. Jeder Korpus wird einzeln ins Lot gebracht, untereinander bündig ausgerichtet, verbunden und an der Wand befestigt. Anschließend werden die Fronten justiert, bis alle Fugen gleich breit sind. Ein Millimeter Abweichung an einem Korpus verteilt sich über eine Schrankwand auf mehrere Millimeter, wenn er nicht sofort korrigiert wird.
Schutz kommt vor dem ersten Bauteil
Bevor überhaupt etwas hereingetragen wird, wird der Weg geschützt. Fußböden, besonders Parkett und geölte Dielen, bekommen eine Abdeckung, Türzargen an engen Stellen einen Kantenschutz. Ein Kratzer im fertigen Boden ist der teuerste Schaden einer Montage, weil er sich nicht wegpolieren lässt und der Boden nicht uns gehört.
Dann kommt der Transport ins Haus. Hier zeigt sich, ob beim Aufmaß der Treppenweg mit aufgenommen wurde. Ein zweieinhalb Meter hoher Korpus, der um eine gewendelte Treppe muss, braucht rechnerisch mehr Raum als die Treppe breit ist. Solche Teile werden geteilt konstruiert und erst vor Ort zusammengesetzt. Diese Entscheidung fällt in der Planung, nicht am Montagetag.
Ausrichten: Lot, Waage, Flucht
Ein Korpus muss in drei Richtungen stimmen. Waagerecht, damit Auszüge nicht von selbst auf- oder zulaufen und Böden nicht sichtbar hängen. Lotrecht, damit Türen sich nicht selbsttätig öffnen und die Fugen oben und unten gleich breit bleiben. Und in der Flucht mit den Nachbarkorpussen, damit die Fronten eine gemeinsame Ebene bilden.
Der Ausgleich geschieht über verstellbare Sockelfüße oder untergelegte Keile. Bei Küchen sind die Füße das Standardmittel, weil sie im Verstellbereich meist zwei bis drei Zentimeter aufnehmen und danach von der Sockelblende verdeckt werden. Bei bodenbündigen Einbauschränken ohne sichtbaren Sockel wird mit Keilen und Ausgleichsstreifen gearbeitet, die anschließend hinter der Front verschwinden.
- Bodengefälle: Zuerst wird der höchste Punkt im Aufstellbereich gesucht. Von dort aus wird nach oben ausgeglichen, nie nach unten, denn Material lässt sich unterlegen, aber nicht wegnehmen.
- Wand aus dem Lot: Der Korpus steht im Lot, nicht parallel zur Wand. Der entstehende keilförmige Spalt an der Seite wird von einer Passblende geschlossen, die auf die Wandkontur angepasst wird.
- Wandwellen: Rückwände liegen nicht flächig an. Zwischen Korpusrückwand und Wand bleibt bewusst Luft, die Befestigung erfolgt punktuell an den Traversen mit Distanzstücken.
- Decke nicht waagerecht: Raumhohe Schränke enden nicht an der Decke, sondern kurz darunter. Die verbleibende Zone übernimmt eine Deckenblende, die dem Deckenverlauf folgt.
Blenden anpassen ist Handarbeit vor Ort
Passblenden werden in der Werkstatt bewusst mit Übermaß gefertigt. Erst vor Ort wird die Wandkontur auf die Blende übertragen, meist mit einem Zirkel oder einem Anreißklotz, der an der Wand entlanggeführt wird. Danach wird die Blende auf diese Linie gearbeitet, geschliffen und eingepasst. Bei stark welligen Altbauwänden ist das ein Vorgang, der pro Blende eine gute halbe Stunde dauert.
Das ist der Grund, warum ein Schrank, der oberflächlich nach einer Stunde fertig aussieht, erst nach einem halben Tag wirklich fertig ist. Die Blenden sind auch der Punkt, an dem sich echte Maßarbeit von Möbeln aus dem Karton unterscheidet: Dort steht das Möbel vor der Wand, hier schließt es an sie an.
Befestigung richtet sich nach dem Untergrund
Nicht jede Wand trägt gleich. In eine Massivwand aus Beton oder Vollziegel kann ein raumhoher Schrank direkt gedübelt werden. Hohllochziegel und Porenbeton brauchen andere Dübel mit größerer Auflagefläche. Trockenbauwände tragen ohne Zusatzmaßnahmen nur begrenzt, hier wird nach Möglichkeit in die Ständer geschraubt oder es kommen Hohlraumdübel zum Einsatz, deren Belastungsgrenze deutlich niedriger liegt.
Wandhängende Möbel sind der kritische Fall. Ein hängender Waschtischunterschrank trägt nicht nur sich selbst, sondern auch das Becken und im Zweifel jemanden, der sich darauf abstützt. Wenn der Untergrund das nicht hergibt, sagen wir das und schlagen eine andere Lösung vor, etwa ein Möbel mit Bodenkontakt. Eine Befestigung, die rechnerisch gerade so hält, ist keine Lösung.
Einstellen der Beschläge
Zum Schluss kommen die Fronten. Moderne Topfbänder lassen sich in drei Achsen verstellen: in der Höhe, in der Tiefe und seitlich. Damit gleicht man kleine Ungenauigkeiten aus, bis alle waagerechten und senkrechten Fugen über die ganze Front gleich breit laufen. Auszüge werden auf gleichen Vorstand justiert, Klappenbeschläge auf die Frontgewichte eingestellt, damit sie in jeder Position stehen bleiben.
Die Fugen sind das, worauf beim ersten Blick jeder achtet, auch wenn er es nicht bewusst tut. Eine Fuge, die über einen Meter von drei auf fünf Millimeter aufgeht, sieht falsch aus, ohne dass man benennen könnte, warum. Deswegen wird an dieser Stelle nachgestellt, bis es stimmt, und nicht bis es reicht.
Wie wir das bei HDE machen
Wir montieren mit dem eigenen Team. Das sind dieselben Leute, die die Möbel aus unserer Werkstatt in Oberhausen kennen, und keine wechselnden Subunternehmer. Der praktische Vorteil zeigt sich, wenn vor Ort etwas nicht passt: Ein Anruf in die Werkstatt genügt, ein Teil wird nachgearbeitet und kommt am selben oder nächsten Tag. Wer die Fertigung im eigenen Haus hat, muss auf keine Lieferkette warten.
Grundlage der Montage ist die maßstabsgetreue Zeichnung, die Sie vor der Fertigung freigegeben haben. Darin stehen alle Maße, Fugen und Ausgleichszonen. Das Team montiert also nicht nach Gefühl, sondern nach demselben Plan, nach dem gefertigt wurde. Änderungswünsche am Montagetag nehmen wir auf, sagen aber ehrlich, was ohne neue Teile machbar ist und was nicht.
Am Ende steht die gemeinsame Abnahme. Wir gehen die Möbel mit Ihnen durch, prüfen Funktion, Fugen und Oberflächen und halten alles im Abnahmeprotokoll fest, mit Fotos. Offene Punkte werden dort eingetragen, mit Termin, und nicht mündlich mitgenommen. Sie bekommen das Protokoll anschließend zugeschickt, damit beide Seiten denselben Stand haben. Mehr dazu steht unter Abnahme und zur Vorbereitung unter Montageservice.
Was Sie vorbereiten können
Am reibungslosesten läuft eine Montage, wenn der Raum leer ist, Strom in der Nähe anliegt und der Zugang frei ist. Bei Küchen sollten Elektro- und Wasseranschlüsse fertig gesetzt sein, denn ohne Anschluss lassen sich Geräte nicht einbauen und der Schrank steht so lange offen. Eine Parkmöglichkeit in der Nähe klingt nebensächlich, spart aber echte Zeit, wenn ein Team mehrere Korpusse tragen muss.

