Ein Angebot ist eine Beschreibung, keine Zahl
Bei Maßmöbeln gibt es keinen Katalogartikel, mit dem sich vergleichen ließe. Jeder Betrieb beschreibt seine eigene Bauweise, und erst diese Beschreibung macht die Summe verständlich. Ein Angebot, das aus drei Zeilen und einem Endbetrag besteht, ist deshalb kein günstiges Angebot, sondern ein unvollständiges: Es lässt offen, was gebaut wird, und verschiebt die Klärung in eine Zeit, in der Sie bereits gebunden sind.
Die Prüffrage lautet nicht „Welches ist billiger?“, sondern „Beschreiben beide dasselbe Möbel?“. In den allermeisten Fällen tun sie das nicht. Die folgenden Punkte sind die Stellen, an denen sich zwei Angebote unterscheiden, und sie sind zugleich die Stellen, an denen sich der Preis machen lässt, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt.
Korpus: Stärke, Material, Rückwand
Die Korpusstärke steht selten prominent im Angebot, wirkt aber auf alles. Verbreitet sind 16, 18 und 19 Millimeter. Der Unterschied klingt gering, verändert aber Tragfähigkeit, Durchbiegung langer Böden, Haltekraft der Schrauben und die Stabilität beim Transport. Ein 19er Korpus mit 90 Zentimeter breitem Fachboden trägt deutlich mehr als ein 16er mit derselben Spannweite. Fehlt die Angabe, fragen Sie nach; das ist eine Zahl, die jeder Betrieb sofort nennen kann.
Der zweite Punkt ist die Rückwand. Eine eingenutete Rückwand läuft in einer gefrästen Nut rundum im Korpus. Sie versteift den Korpus gegen das Verziehen zum Parallelogramm und ist von der Seite nicht sichtbar. Eine aufgenagelte oder aufgetackerte Rückwand liegt hinten auf und wird angeheftet. Das ist schneller und billiger, aber der Korpus bleibt weicher, die Kante ist an offenen Seiten sichtbar und der Schrank steht nicht bündig an der Wand, weil die Rückwand aufträgt. Beides ist erlaubt, beides ist gebräuchlich, aber es ist nicht dasselbe.
Dazu kommt das Material selbst: beschichtete Spanplatte, MDF, Multiplex oder Massivholz, jeweils mit Angabe zur Feuchtebeständigkeit. Für Küchenunterschränke und Badmöbel ist die Frage, ob feuchtebeständige Trägerplatten verwendet werden, keine Feinheit, sondern eine Lebensdauerfrage.
Kanten: die Qualität, die man täglich anfasst
Alle Schnittkanten einer Platte werden bekantet. Wie, steht im Angebot oder eben nicht. Unterschiede gibt es in der Dicke der Kante, im Material, im Verfahren und darin, ob sie überall gleich gut ausgeführt ist. Eine 0,4 Millimeter dünne Kante folgt der Plattenfarbe knapp und ist empfindlicher gegen Stöße; 1 bis 2 Millimeter starke Kanten halten Staubsauger, Putzeimer und Kinderfüße besser aus.
Beim Verfahren gibt es den klassischen Schmelzklebstoff mit sichtbarer Klebefuge und fugenlose Verfahren, bei denen eine Funktionsschicht der Kante direkt aktiviert wird und keine dunkle Linie stehen bleibt. Fragen Sie außerdem, ob alle vier Seiten bekantet werden, auch die Rückkanten von Fachböden, oder nur die sichtbaren. Angebote unterscheiden sich hier oft, ohne dass es jemand ausspricht.
Beschläge: der Posten, der am leisesten wegfällt
Beschläge sind der Teil des Möbels, den Sie jeden Tag bewegen. Sie sind auch der Teil, an dem sich am unauffälligsten sparen lässt, weil man den Unterschied auf dem Papier nicht sieht und im geschlossenen Zustand auch nicht am Möbel.
- Dämpfung: Türen und Auszüge mit integrierter Dämpfung ziehen sich am Ende weich zu. Ohne Dämpfung schlagen sie. Steht im Angebot nur „Scharniere“, ist die Dämpfung nicht zugesagt.
- Auszugsart: Teilauszug oder Vollauszug entscheidet, ob Sie an die hinteren 15 Zentimeter der Schublade kommen, ohne alles herauszuräumen.
- Tragkraft: Auszüge gibt es üblich in 30, 40, 50 oder 70 Kilogramm. Für Besteck reicht wenig, für Töpfe oder Aktenordner nicht.
- Hersteller und Serie: Nur mit Namen und Serie lässt sich in zehn Jahren ein Ersatzteil beschaffen. „Markenbeschläge“ ohne Angabe ist keine Information.
- Öffnungssystem: Griff, Griffleiste, Push-to-open oder elektrische Öffnung unterscheiden sich in Preis, Wartung und Fugenbild.
Sockel, Blenden und Wandanschluss
Hier trennt sich Möbelbau von Möbelaufstellen. Wände sind nicht lotrecht, Böden nicht eben. Zwischen Möbel und Raum bleibt also ein keilförmiger Spalt, und die Frage ist, wie er verschwindet. Sauber gelöst wird er über eine Passleiste oder Blende, die vor Ort mit dem Zirkel an die Wandkontur angerissen und passend zugeschnitten wird, ebenso wie der Sockel an den Bodenverlauf. Das kostet Zeit auf der Baustelle, ergibt aber eine dichte, gerade Linie.
Die schnelle Variante ist, die Blende gerade abzuschneiden und den Rest mit Silikon oder einer aufgeklebten Leiste zu schließen. Auch das kann man machen, es sieht nach ein paar Jahren nur anders aus. Prüfen Sie deshalb, ob im Angebot überhaupt Passleisten, Wangen, Lichtblenden und ein anpassbarer Sockel enthalten sind oder ob dort nur Korpusse und Fronten stehen. Mehr dazu steht im Artikel Sockel und Blenden.
Montage, Anfahrt und Zahlungsplan
Montiert das Unternehmen mit eigenen Leuten oder mit einem beauftragten Subunternehmer? Beides gibt es, aber es wirkt sich aus. Bei eigener Montage haften Planung, Fertigung und Einbau in einer Hand, und Rückfragen laufen kurz. Bei Fremdmontage steht im Zweifel die Frage im Raum, wessen Fehler ein Problem war. Fragen Sie außerdem nach der Zahl der Monteure und der eingeplanten Tage: Eine Küche, die an einem Tag von einer Person gestellt werden soll, wird selten sauber ausgerichtet.
Weiter zu klären: Sind Anfahrt und Lieferung enthalten oder werden sie gesondert berechnet? Wer trägt in die Wohnung, und wie ist die Etage berücksichtigt? Ist der Abtransport der Verpackung dabei? Wird die alte Küche demontiert und entsorgt? Wer stellt Elektro- und Wasseranschluss her, und ist die Endmontage der Geräte enthalten? Jeder dieser Punkte kann in einem Angebot enthalten sein und im anderen nicht.
Zum Schluss der Zahlungsplan. Üblich sind Anzahlung bei Auftrag, eine Rate bei Lieferung oder Fertigungsbeginn und ein Rest nach Abnahme. Entscheidend ist, dass ein spürbarer Anteil erst nach der Abnahme fällig wird, denn genau das ist der Hebel, mit dem Restpunkte zügig erledigt werden. Angebote, die Vollzahlung vor der Montage verlangen, sollten Sie mindestens hinterfragen. Achten Sie außerdem auf Gültigkeitsdauer, Lieferzeitangabe und darauf, was im Angebot ausdrücklich ausgeschlossen ist.
Wie wir das bei HDE machen
Unsere Angebote sind positionsweise aufgebaut. Zu jedem Möbel gehören die Korpusstärke, das Trägermaterial, die Ausführung der Rückwand, das Kantenmaterial mit Stärke, der Beschlaghersteller mit Serie und die Innenausstattung mit lichten Maßen. Was nicht enthalten ist, steht ausdrücklich dabei, statt weggelassen zu werden.
Das Angebot entsteht bei uns nach dem kostenlosen Aufmaß und gehört zur maßstabsgetreuen Zeichnung, in der die komplette Inneneinteilung eingetragen ist. Beides zusammen können Sie prüfen, bevor Sie freigeben. Montiert wird von unserem eigenen Team, nicht von wechselnden Subunternehmern, und am Ende steht ein Abnahmeprotokoll mit Fotos, in dem offene Punkte schriftlich festgehalten werden. Wie sich die Positionen inhaltlich zusammensetzen, beschreiben wir im Artikel Kosten.
Ein ehrlicher Hinweis zum Vergleichen: Ein ausführliches Angebot wirkt beim ersten Lesen teurer als ein knappes, weil es Positionen benennt, die im knappen Angebot einfach fehlen. Wenn Sie zwei Angebote nebeneinanderlegen, ergänzen Sie im knapperen zuerst die fehlenden Punkte und lassen Sie sie beziffern. Danach ist der Vergleich aussagekräftig, vorher nicht.

