Die vier Blöcke hinter jedem Preis
Jedes Maßmöbel besteht kalkulatorisch aus vier Blöcken: Material, Beschläge, Arbeitszeit und Nebenkosten. Ihr Verhältnis verschiebt sich je nach Möbel erheblich. Bei einem schlichten Einbauschrank in weißer Beschichtung dominiert die Arbeitszeit. Bei einer Küche mit Vollauszügen, Klappenbeschlägen und Steinarbeitsplatte machen Beschläge und Material den größeren Teil aus. Wer nur auf den Materialpreis schaut, versteht deshalb selten, warum zwei ähnlich aussehende Angebote weit auseinanderliegen.
Material
Der Werkstoff ist der sichtbarste Posten und selten der größte. Entscheidend sind drei Dinge: der Trägerwerkstoff, die Oberfläche und die Kante.
- Trägerwerkstoff: Spanplatte ist die Basis, MDF liegt darüber, Multiplex noch einmal deutlich höher. Der Unterschied ist nicht nur Preis, sondern Eignung: MDF für lackierte und gefräste Fronten, Multiplex dort, wo Stabilität und Schraubenhalt zählen.
- Oberfläche: Melaminbeschichtung ist die günstigste und robusteste Variante. Furnier kostet mehr, weil es aufgelegt, geschliffen und behandelt werden muss. Lackierung ist der aufwendigste Weg, weil sie mehrere Arbeitsgänge mit Trockenzeiten bedeutet.
- Kante: Eine dünne ABS-Kante ist Standard. Eine dickere Kante mit gerundeter Fase, eine Massivholzkante oder eine Laserkante ohne sichtbare Leimfuge kosten mehr, halten aber an stark beanspruchten Stellen länger.
- Massivholz und Stein: Beides wird nach Fläche und Sorte gerechnet. Bei Stein kommen Ausschnitte, Kantenbearbeitung und die Verschnittsituation der Rohplatte hinzu, weshalb eine kleine Platte selten proportional weniger kostet als eine große.
Beschläge
Beschläge sind der Posten, an dem sich Preisunterschiede zwischen Angeboten am häufigsten verstecken. Zwischen einem einfachen Rollenauszug und einem Vollauszug mit gedämpftem Selbsteinzug und höherer Tragkraft liegt beim Einkauf ein Vielfaches. In einer Küche mit fünfzehn Schubkästen summiert sich das zu einem Betrag, der größer sein kann als der gesamte Plattenanteil.
Das ist die Stelle, an der wir am wenigsten zum Sparen raten. Eine Front kann man in zehn Jahren neu lackieren, einen ausgeschlagenen Auszug in einem verleimten Korpus nur mit Aufwand ersetzen. Beschläge sind bewegte Technik, sie werden zehntausende Male betätigt, und ihre Qualität entscheidet, ob ein Möbel nach acht Jahren noch ordentlich schließt. Was ein Vollauszug leistet und wo die Unterschiede liegen, steht im Text zu Vollauszügen.
Arbeitszeit: der Posten, den man nicht sieht
Die Arbeitszeit verteilt sich auf drei Phasen, und die erste unterschätzen die meisten. Vor dem ersten Schnitt stehen Beratung, Aufmaß, Entwurf, technische Zeichnung, Änderungsrunden, die Arbeitsvorbereitung mit Stücklisten und Zuschnittplänen sowie die Bestellung von Material und Beschlägen. Bei einer Küche sind das schnell zwei bis drei volle Arbeitstage, verteilt über Wochen. Diese Zeit ist im Preis enthalten, auch wenn sie auf keinem Bauteil sichtbar wird.
In der Fertigung folgen Zuschnitt, Kantenbearbeitung, Bohrungen und Fräsungen, Schleifen, Oberfläche, Beschlagsmontage und der Probeaufbau. Trockenzeiten binden dabei keine Arbeitszeit, aber Fläche und Termine: Eine lackierte Front belegt zwischen den Gängen einen Trockenplatz, und das begrenzt, wie viele Aufträge gleichzeitig laufen können.
Die Montage ist die Phase mit der geringsten Planbarkeit. Ein Einbauschrank in einer geraden Nische ist an einem halben Tag montiert. Derselbe Schrank in einem Altbau mit schiefen Wänden, Fußleisten und einem Heizungsrohr in der Ecke braucht einen ganzen Tag. Deshalb steht in einem seriösen Angebot ein Montageanteil und nicht der Satz, die Montage sei inklusive.
Anfahrt und Nebenkosten
Zur Anfahrt gehört mehr als der Weg. Gerechnet werden die Fahrzeit von zwei Monteuren hin und zurück, das Fahrzeug, das Beladen und das Entladen. Innerhalb des Ruhrgebiets ist das ein überschaubarer Posten, bei weiteren Entfernungen wird daraus eine eigene Position. Dazu kommen je nach Auftrag Entsorgung der alten Möbel, Verpackungsmaterial, Kleinmaterial wie Dübel und Ausgleichsleisten sowie gelegentlich ein Hebegerät, wenn eine Steinplatte nicht durchs Treppenhaus geht.
Warum Maßarbeit mehr kostet als Systemmöbel
Ein Systemmöbel entsteht in Losgrößen von Tausenden. Jede Bohrung ist einmal programmiert und wird danach ohne Umrüsten wiederholt, das Material ist auf Standardmaße optimiert, Verpackung und Logistik sind durchgerechnet. Diese Skalierung ist ein echter Vorteil, und sie ist der Grund, warum ein Serienschrank in einer geraden Wand schwer zu unterbieten ist.
Bei uns ist die Losgröße eins. Jedes Teil hat eigene Maße, jede Maschine wird für diesen einen Auftrag eingerichtet, jedes Bohrbild wird einzeln erstellt. Dazu kommt die Planungszeit, die im Serienmöbel auf Tausende Stück verteilt ist und bei uns auf ein Möbel. Das ist kein Aufschlag für Handarbeit, sondern schlicht der Unterschied zwischen Serie und Einzelfertigung.
Wann sich Maßarbeit rechnet und wann nicht
Sie rechnet sich, wenn der Raum vom Standard abweicht. Dachschrägen, Altbauhöhen über 2,60 Meter, schiefe Wände, Nischen mit ungeraden Breiten, Vorsprünge und Rohrkästen. Dort verliert ein Systemmöbel Stauraum an Passstücke und Abstandsleisten, und der gewonnene Raum eines Einbaus gleicht den Preisunterschied schnell aus. Sie rechnet sich ebenso, wenn eine bestimmte Funktion gebraucht wird, die es im Katalog nicht gibt: eine Arbeitshöhe außerhalb der Norm, eine Auszugsteilung nach tatsächlichem Inhalt, ein Schrank, der ein vorhandenes Möbelstück aufnimmt.
Sie rechnet sich nicht, wenn ein rechteckiger Raum mit Standardhöhe vorliegt, die Serienmaße passen und keine besonderen Anforderungen bestehen. Das sagen wir Ihnen auch. Ein Einbau, der am Ende dasselbe leistet wie ein Serienmöbel, ist teurer ohne Gegenwert, und daran hat niemand Freude. Und sie rechnet sich nicht, wenn die Nutzungsdauer absehbar kurz ist, etwa in einer Wohnung, die in drei Jahren wieder aufgegeben wird, denn ein Einbaumöbel zieht in der Regel nicht mit um.
Wie wir das bei HDE machen
Wir gliedern unsere Angebote nach Positionen, nicht als eine Summe für alles. Jede Position beschreibt das Möbel, den Werkstoff, die Oberfläche und die verbauten Beschläge mit Hersteller und Serie. Montage und Anfahrt stehen getrennt, ebenso Sonderleistungen wie Entsorgung oder Steinarbeitsplatten. Damit können Sie einzelne Positionen vergleichen und gezielt umplanen, statt nur über die Endsumme zu verhandeln. Wie ein solches Angebot im Detail zu lesen ist, erklären wir im Text Angebot lesen.
Beratung und Aufmaß sind bei uns kostenlos und werden auch nicht nachträglich eingerechnet, wenn es nicht zum Auftrag kommt. Wenn Ihr Budget einen Rahmen hat, sagen Sie ihn uns früh. Wir planen dann von diesem Rahmen aus rückwärts und zeigen Ihnen, an welchen Stellen sich sinnvoll sparen lässt: eine einfachere Front bei gleicher Korpusqualität, offene Fächer statt Klappenbeschlägen, eine Ausführung in zwei Abschnitten über zwei Jahre. Wovon wir abraten, ist das Sparen an Korpusstärke und Beschlägen, weil beides später nicht mehr korrigierbar ist, ohne das Möbel zu zerlegen.




