Woher der hohe Preis kommt
Der Preis ist keine Frage der Nachfrage allein, sondern eine Frage des Baums. Walnuss wächst langsam, wird selten in geschlossenen Beständen forstwirtschaftlich angebaut und bildet häufig kurze, verzweigte Stämme mit starker Astigkeit. Ein Stamm, aus dem sich vier Meter astfreies, gerades Möbelholz schneiden lassen, ist die Ausnahme, nicht die Regel. Dazu kommt: Nur der Kern ist braun. Der Splint ist hell graubeige und wird im Möbelbau meist weggeschnitten, was die Ausbeute weiter senkt.
Deshalb geht ein großer Teil der guten Stämme nicht ins Sägewerk, sondern ins Furnierwerk. Aus einem Stamm, aus dem massiv vielleicht ein paar Kubikmeter Bretter würden, entstehen gemessert mehrere tausend Quadratmeter Furnier. Wirtschaftlich ist das der einzige sinnvolle Umgang mit einem knappen Rohstoff. Im Vergleich der hier gebräuchlichen Möbelhölzer ist Nussbaum das teuerste: deutlich über Eiche, ein Mehrfaches von Buche. Bei Furnier ist der Abstand kleiner als bei Massivholz, weil sich der Stammpreis auf viel mehr Fläche verteilt.
Technische Werte und was sie bedeuten
Europäischer Nussbaum liegt bei einer Rohdichte von etwa 640 bis 700 kg/m3, amerikanischer Schwarznussbaum etwas darunter, meist um 610 bis 660. Damit ist Nussbaum etwas leichter als Eiche und deutlich leichter als Buche. Die Brinellhärte liegt bei rund 30 bis 34 N/mm2, also im Bereich der Eiche. Für Fronten, Tischplatten und Schrankinnenausbau ist das mehr als ausreichend.
Interessanter ist das Stehvermögen. Nussbaum arbeitet für ein Laubholz seiner Dichte vergleichsweise wenig und neigt kaum zum Werfen, wenn er sauber getrocknet wurde. Das ist einer der Gründe, warum er historisch für Gewehrschäfte und feine Möbel verwendet wurde: Er bleibt, wo man ihn hingelegt hat. Für Sie heißt das in der Praxis, dass massive Nussbaumteile mit etwas kleineren Fugen auskommen als vergleichbare Eichenteile. Ganz ohne Bewegungsspiel geht es trotzdem nie, Holz bleibt Holz.
Farbe und Zeichnung
Nussbaum ist selten einfarbig. Innerhalb einer Fläche laufen Grauviolett, Schokoladenbraun, warmes Rotbraun und fast schwarze Streifen ineinander. Europäischer Nussbaum ist meist unruhiger und graustichiger, amerikanischer gleichmäßiger und wärmer. Das ist der eigentliche Grund für die Beliebtheit: Die Fläche hat Tiefe, ohne dass eine grobe Pore wie bei Eiche dominiert. Nussbaum ist halbringporig, die Poren sind da, aber feiner und weniger reihenförmig geordnet.
Warum Nussbaum unter Licht heller wird
Die meisten Hölzer dunkeln nach. Nussbaum geht den anderen Weg: Er hellt unter Licht auf und verliert dabei einen Teil des Violett- und Grauanteils. Aus einem sehr dunklen, fast schwarzbraunen Neuzustand wird über die Jahre ein wärmeres, mittleres Braun mit mehr Rotanteil. Gleichzeitig beruhigt sich das Farbspiel: Die starken Kontraste zwischen den dunklen Streifen und dem helleren Grundton gleichen sich an.
Für die Planung hat das zwei Folgen. Erstens sollten Sie ein Muster nicht nur im Showroom, sondern auch bei Tageslicht im eigenen Raum ansehen, denn ein Nussbaum, den Sie heute als sehr dunkel empfinden, wird in drei Jahren merklich freundlicher sein. Zweitens gilt auch hier: Was dauerhaft auf der Fläche liegt, hinterlässt eine Spur, hier eben eine dunklere statt einer helleren. Wer später nachrüsten lässt, bekommt zunächst ein dunkleres Teil, das sich mit der Zeit angleicht. Vollständig identisch wird es selten, das sagen wir vorher.
Massiv oder furniert
Bei kaum einer anderen Holzart ist Furnier so selbstverständlich wie hier. Ein gemessertes Nussbaumfurnier von 0,55 bis 0,6 Millimeter Stärke auf MDF oder Spanplatte zeigt genau die Zeichnung, für die man das Holz wählt, und es erlaubt etwas, das massiv nicht möglich ist: Die Blätter kommen in der Reihenfolge aus dem Stamm, in der sie gewachsen sind. So läuft die Maserung über fünf Schrankfronten durch, als wäre es ein Stück. Bei einem Ankleidezimmer oder einer Wohnwand macht das den ganzen Unterschied. Mehr dazu in unserem Artikel Furnieren.
Massiv setzen wir Nussbaum dort ein, wo Kante und Tiefe gebraucht werden: Tischplatten, Griffleisten, sichtbare Rahmen, freistehende Regale, Schubkastenblenden. Eine gute Kombination ist eine furnierte Fläche mit massiven Kanten aus demselben Stamm. Das sieht aus wie Vollholz, bleibt maßhaltig und kostet einen Bruchteil.
Wofür Nussbaum nicht die richtige Wahl ist
- Große helle Räume, die noch heller werden sollen: Eine raumhohe Nussbaumwand schluckt viel Licht. In einem kleinen Raum mit einem Fenster nach Norden kann das drückend wirken. Dann lieber eine Teilfläche in Nussbaum und den Rest hell.
- Stark beanspruchte Außen- und Feuchtebereiche: Nussbaum ist nicht witterungsbeständig und gehört nicht in den Außenbereich oder in eine dauerfeuchte Zone.
- Späteres Nachbestellen in großem Umfang: Wer heute eine Küche baut und in fünf Jahren einen passenden Schrank ergänzen will, wird Farbe und Zeichnung nicht exakt treffen. Wenn eine Erweiterung wahrscheinlich ist, legen wir Material zurück oder planen die Ergänzung gleich mit.
- Sehr enge Budgets: Wenn das Budget nicht reicht, ist eine sauber verarbeitete Eiche das ehrlichere Möbel als ein sparsam furnierter Nussbaum mit Kanten aus Dekorfolie. Das sieht man nach zwei Jahren an jeder Ecke.
Pflege
Geölter Nussbaum wird nebelfeucht gewischt und ein- bis zweimal jährlich dünn nachgeölt. Ein Öl mit leichtem Braunpigment hält das Farbbild etwas länger dunkel, klare Öle lassen das Aufhellen freier laufen. Beides ist richtig, es ist eine Geschmacksfrage, die man vorher besprechen sollte. Kratzer fallen bei Nussbaum weniger auf als bei sehr hellen Hölzern, weil die Fläche ohnehin viel Kontrast hat, aber eine durchgeriebene Stelle im Furnier ist nicht reparabel: Unter den 0,6 Millimetern kommt der Trägerwerkstoff. Deshalb bekommen furnierte Nussbaumflächen an Griffzonen bei uns einen widerstandsfähigeren Lackaufbau oder gleich eine massive Griffleiste.
Wie wir bei HDE mit Nussbaum arbeiten
Wir kaufen Nussbaumfurnier bündelweise aus einem Stamm ein und rechnen die benötigte Fläche mit Zuschlag, bevor wir bestellen. Nachbestellen aus demselben Bündel ist Wochen später meist nicht mehr möglich, und ein zweites Bündel sieht anders aus. Diese Reserve ist kein Luxus, sondern der Grund, warum eine Front am Ende zur danebenliegenden passt.
Vor dem Pressen legen wir die Blätter auf dem Tisch aus und entscheiden, ob geschlichtet oder gespiegelt gefügt wird. Gespiegelt gibt ein symmetrisches, ruhiges Bild, geschlichtet lässt die Zeichnung durchlaufen. Bei hohen Fronten wählen wir meist geschlichtet, weil sich die Spiegelung sonst über zwei Meter Höhe zu einem sehr auffälligen Muster aufbaut. Wie so etwas in einem fertigen Raum wirkt, zeigen wir am liebsten an einem Musterstück in Originalgröße, bevor irgendetwas produziert wird.




