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Beschläge & Technik

Schubkastensysteme: Holz mit Zinkung oder Metallzarge

Ein Schubkasten ist das Bauteil, das ein Möbel am häufigsten bewegt. Zwanzigmal am Tag, über zwanzig Jahre, ergibt einige hunderttausend Bewegungen. Die Frage nach Holz oder Metall ist deshalb weniger eine Geschmacksfrage, als es zunächst aussieht.

Schubkasten aus Holz mit Zinkenverbindung neben einem Metallzargen-System
Illustration zum Thema Schubkastensysteme · mit KI erstellt

Zwei Bauweisen, die verschiedene Dinge gut können

Bei einem Schubkasten müssen zwei Aufgaben gelöst werden: Der Kasten muss halten, was hineinkommt, und er muss sauber laufen. Der Holzschubkasten löst beide Aufgaben getrennt, die Metallzarge löst sie in einem Bauteil. Daraus ergeben sich alle weiteren Unterschiede.

Der Holzschubkasten

Der klassische Schubkasten besteht aus vier Massivholzseiten, meist Buche, Eiche oder Ahorn, in 13 bis 16 Millimetern Stärke, mit einem eingenuteten Boden aus 6 bis 8 Millimeter starkem Sperrholz. Zusammengehalten wird er an den Ecken durch eine Zinkung, in der Regel ein Schwalbenschwanz. Diese Verbindung ist formschlüssig: Die keilförmigen Zinken lassen sich in Zugrichtung nicht auseinanderziehen. Genau das ist die Belastung, die an der Vorderseite eines Schubkastens jeden Tag anliegt, wenn Sie an der Front ziehen und das Gewicht dahinter folgt. Zusätzlich wird die Verbindung verleimt, aber sie würde auch ohne Leim nicht aufgehen.

Für die Bewegung braucht dieser Kasten eine eigene Führung, üblicherweise einen Unterflur-Vollauszug, der unsichtbar unter dem Boden sitzt. Dafür muss der Boden dick genug sein und hinten sauber eingefasst, sonst reißt die Verschraubung der Führung mit der Zeit aus. Was Sie bekommen, ist ein Schubkasten, der von innen wie ein eigenständiges Möbelstück wirkt und nach dem Holz riecht, aus dem er gebaut ist.

Die Metallzarge

Bei einem Zargensystem ist die Seitenwand selbst aus Stahl, meist 8 bis 13 Millimeter dünn, und die Laufführung steckt bereits darin. Aus Holzwerkstoff bestehen nur noch Boden und Rückwand. Der Vorteil ist rechnerisch: Bei einem 600 Millimeter breiten Korpus gewinnen Sie gegenüber zwei 16 Millimeter starken Holzseiten rund zwei Zentimeter nutzbare Innenbreite, und die Tragkraft liegt bei denselben Außenmaßen deutlich höher. Dazu kommt ein durchdachtes Zubehörprogramm: Relingaufsätze für hohe Auszüge, Glaselemente, Trennsysteme, Innenauszüge, alles im gleichen Raster.

Der Preis dafür ist Abhängigkeit. Sie sind an ein System gebunden, an dessen Rastermaße und an dessen Ersatzteilpolitik. Und die Innenansicht ist die eines Industrieprodukts, was in einer Küche kaum stört, in einer Kommode im Wohnzimmer aber sehr wohl.

Tragkraft ist keine Nebensache

Führungen werden nach dynamischer Tragkraft eingeteilt, üblich sind Klassen von 30, 40, 50 und 70 Kilogramm. Diese Zahlen wirken großzügig, bis man nachrechnet. Ein 900 Millimeter breiter Topfauszug mit gusseisernen Pfannen, einem Bräter und dem üblichen Rest kommt ohne Weiteres auf 30 bis 40 Kilogramm. Ein Geschirrauszug mit Tellerstapeln liegt schnell darüber. Bei Werkzeug, Akten oder Steingut wird es noch deutlicher.

Unterdimensionierte Führungen fallen nicht sofort aus, sie werden schleichend schlechter: Der Auszug hängt vorn ab, läuft rau, die Front steht nicht mehr in der Flucht. Deshalb fragen wir bei der Planung nach, was tatsächlich hineinkommt, und legen im Zweifel eine Klasse höher aus. Für die Höhe gilt eine andere Faustregel, die genauso wichtig ist: Über etwa 1300 Millimetern sehen Sie nicht mehr in den Auszug hinein. Darüber sind Fachböden oder Klappen die bessere Lösung.

Innenauszüge und der Fehler, den sie oft verursachen

Ein Innenauszug sitzt hinter einer Tür statt hinter einer eigenen Front. Das ist in der Ankleide für Wäsche und in Hochschränken die ruhigere Lösung, weil die Front als geschlossene Fläche bestehen bleibt. In der Küche findet man Innenauszüge außerdem als flache zweite Ebene über einem tiefen Topfauszug, meist für Besteck und Kleinteile.

Der häufigste Planungsfehler entsteht dabei am Türblatt. Ein Innenauszug lässt sich nur herausziehen, wenn die Tür weit genug offen steht, in der Regel deutlich über 90 Grad. Öffnet die Tür nur bis zum rechten Winkel, weil eine Wand, ein Nachbarmöbel oder eine fehlende Passblende im Weg ist, kollidiert der Auszug mit der Türkante. Ein Scharnier mit größerem Öffnungswinkel oder ein paar Millimeter Abstand zur Wand lösen das Problem, aber nur, wenn man vorher daran denkt.

Einteilung: was einen Auszug brauchbar macht

Reinigung und Reparatur über die Jahre

Eine Metallzarge lässt sich feucht abwischen und nimmt weder Fett noch Wasserflecken an. Das ist der Grund, warum wir sie in Küchenunterschränken und in Nassbereichen fast immer bevorzugen. Massivholz innen ist dagegen empfindlich, wenn es roh bleibt: Öl und Rotwein ziehen ein und lassen sich nicht mehr entfernen. Wir behandeln Holzschubkästen deshalb innen leicht, mit einem dünnen Öl oder einem matten Klarlack, der die Haptik lässt und die Oberfläche trotzdem schützt.

Bei der Reparatur kehrt sich das Verhältnis um. Ein Holzschubkasten ist beliebig lange instand zu setzen: Ein gerissener Boden wird ersetzt, eine gelöste Zinkung neu verleimt, eine verschlissene Kante nachgearbeitet. Nur die Führung ist ein Systemteil. Bei der Metallzarge ist der Kasten selbst das Systemteil. Solange der Hersteller die Serie führt, ist ein Austausch eine Sache von Minuten. Wird die Serie eingestellt, was nach zehn bis fünfzehn Jahren vorkommen kann, bleibt oft nur der Umbau des ganzen Schranks.

Was beide Bauweisen brauchen, ist Justage. Moderne Führungen lassen sich in drei Richtungen verstellen: in der Höhe, seitlich und in der Neigung. Eine Front, die nach einem Jahr nicht mehr fluchtet, ist deshalb selten ein Schaden, sondern meist eine Einstellsache von wenigen Minuten.

Wie wir das bei HDE machen

Wir bauen beides und entscheiden nach Einsatzort. In Küchenunterschränken, Waschtischen und allem, was mit Wasser und Fett in Berührung kommt, setzen wir Zargensysteme ein, überwiegend aus laufenden Serien von Häfele, weil wir Führungen und Zubehör auch Jahre später als Ersatzteil bekommen. In Ankleiden, Wohnmöbeln, Sideboards und überall dort, wo Sie beim Öffnen in den Kasten hineinsehen, bauen wir Holzschubkästen in der eigenen Werkstatt: 13 Millimeter Seiten aus Buche oder Eiche, Boden 8 Millimeter eingenutet, Zinkung auf der CNC gefräst, verleimt und gepresst, Kanten von Hand gebrochen.

Bei der Planung fragen wir konkret nach dem Inhalt, nicht nach der Anzahl der Schubkästen. Wer Gusseisen sammelt, bekommt eine andere Führungsklasse als jemand, der dort Geschirrtücher lagert. Innenauszüge zeichnen wir immer zusammen mit dem Türöffnungswinkel, damit die Kollision auf dem Papier auffällt und nicht am Montagetag. Und wir bauen keinen Auszug in eine Höhe, in die Sie nicht mehr hineinschauen können, auch wenn er dort optisch gut aussehen würde. Was in unserer Werkstatt sonst entsteht, sehen Sie unter Schreinerei.

Häufige Fragen

Ist ein Holzschubkasten stabiler als eine Metallzarge?

Bei gleicher Bauhöhe trägt eine gute Metallzarge in der Regel mehr, weil Seitenwand und Führung ein gemeinsames Bauteil bilden. Der Vorteil des Holzschubkastens liegt nicht in der Tragkraft, sondern in der Haltbarkeit der Verbindung und darin, dass er sich unabhängig von jedem Hersteller reparieren lässt.

Warum sieht man bei manchen Schubkästen die Zinken und bei anderen nicht?

Eine offene Zinkung zeigt die Verbindung an der Ecke, eine halbverdeckte Zinkung bleibt an der Vorderseite unsichtbar. Bei Möbeln mit aufgesetzter Front spielt das keine Rolle, weil die Ecke ohnehin verdeckt wird. Bei sichtbaren Kästen ist es eine Entscheidung über die Optik, nicht über die Festigkeit.

Lohnt sich Push-to-open ohne Griffe?

Bei leichten und mittleren Auszügen funktioniert das gut und lässt sehr ruhige Fronten zu. Bei schweren Auszügen und bei Kombination mit starker Einzugsdämpfung wird die Bedienung träge, und in Familien mit kleinen Kindern öffnen sich Schubkästen ungewollt beim Anlehnen. Wir besprechen das vorher am konkreten Schrank.

Kann man Auszüge in einem bestehenden Schrank nachrüsten?

Meist ja, wenn der Korpus stabil genug ist und ein durchgehender Innenraum vorhanden ist. Zu prüfen sind die Innenbreite, die Korpustiefe und ob die Seiten die Führung tragen. In dünnwandigen Möbeln aus 12 Millimeter Material ist das Ergebnis selten dauerhaft, dort ist ein neuer Korpus die ehrlichere Lösung.

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